Ouelle Luzerner Zeitung
Umschulung
VBL bilden Arbeitslose zu Fahrern aus
Statt im Ausland nach Buschauffeuren zu suchen,
rekrutieren die VBL ihre
Fahrer nun in Luzern unter Arbeitslosen. Auch das RAV profitiert davon.
Express:
«Wer die Ausbildung erfolgreich abschliesst, hat gute Aussichten auf eine Anstellung.»
Walter Jenny, VBL-Personalchef
Die Zwischenbilanz nach einem Jahr kann sich sehen lassen: 30 Arbeitslose sind von der Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) ins Buschauffeur-Projekt der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) vermittelt worden. 6 haben bei den VBL eine Festanstellung erhalten, einer arbeitet bei einem externen Transportunternehmer als Chauffeur. Die restlichen 23 Personen befinden sich noch in der Abklärungsphase. «Wir freuen uns, den Bedarf an Busfahrern mit einheimischen Personen decken zu können», sagt VBL-Personalchef Walter Jenny. Derzeit arbeiten bei den VBL rund 300 Chauffeure.
Noch vor kurzem suchte Jenny auf dem ausländischen Markt nach Chauffeuren. Der Personalchef begründet: «2005 hatten wir einen starken Leistungsausbau und brauchten schnell viele Leute.» Nun, dank der von den VBL aufgegleisten Zusammenarbeit mit dem RAV könne man die Luzerner Arbeitslosen umschulen und integrieren. «Die Leute sind extrem motiviert», lobt Jenny die Teilnehmer.
Lob für das Projekt erhalten die VBL vom RAV. Projektverantwortlicher Peter Laeng bestätigt einen Beitrag von Tele 1 und sagt: «Das Projekt ist in dieser Form nahezu einzigartig, und alle profitieren: Wir haben weniger Arbeitslose und die VBL sowie weitere Busunternehmen motivierte Chauffeure.»
Und so funktioniert das Projekt: Die RAV-Berater melden geeignete Kandidaten den VBL. Nach einem Gespräch und einem Schnuppertag beginnt der Theoriekurs, dann folgt die praktische Ausbildung im VBL-Fachzentrum. «Wir achten dabei auch auf das Auftreten, auf Pünktlichkeit und Sprachkenntnisse», erläutert Walter Jenny. Das insgesamt sechsmonatige Praktikum wird grösstenteils vom RAV bezahlt. Die Kosten werden nicht kommuniziert. Peter Laeng ist vom Nutzen jedoch überzeugt: «Die Kursteilnehmer können nach Abschluss ihrer Ausbildung nicht nur bei den VBL, sondern bei allen Transportunternehmen als Buschauffeur arbeiten.» Zudem gelte der Job als Busfahrer als «sicher».
Dem pflichtet VBL-Personalchef Jenny bei. Die Anstellung sei zwar nicht unkündbar. «Aber der Chauffeur-Markt ist relativ trocken und wird künftig sicher nicht an Bedeutung verlieren.» Walter Jenny versichert: «Jeder, der die Ausbildung erfolgreich abschliesst, hat gute Aussichten auf eine Anstellung.» Der Einstiegslohn liegt bei den VBL zwischen 4400 und 4700 Franken.
Sind alle Bewerber auch wirklich für den Job als Buschauffeur geeignet? Man erhalte zwar auf Inserate «eine Kiste» Bewerbungen, so Jenny. Aber viele würden sich darunter etwas völlig Falsches vorstellen. «Die unregelmässigen Arbeitszeiten, der Stress auf der Strasse und die hohen Ansprüche der Passagiere sind nicht zu vernachlässigen.» Zudem würden Kandidaten bevorzugt, die bereits grosse Fahrzeuge lenken könnten.
«Es brauchte Mut, in diesem Alter noch auf einen völlig anderen Beruf zu wechseln, aber es hat sich ausbezahlt», freut sich Sandro Margutti. Der 44-jährige Luzerner war ein Jahr lang arbeitslos und wurde letzten Herbst ins Projekt aufgenommen. Seit dem 1. Juni fährt er nun als festangestellter Chauffeur die VBL-Gäste von A nach B.
25 Jahre lang hat Margutti im Gastgewerbe gearbeitet.
Dann wollte er sich selbstständig machen, was jedoch scheiterte. «Ich bin
froh, dass die Umschulung so gut geklappt hat. Diese Arbeit erweitert meinen
Horizont, und mir gefällt der Umgang mit den Leuten.»
Luca Wolf